transmuthatio - Die Macht der Phantasie
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Die Poesie der Farbe

© Markus Muth, 2016

Ich fühlte mich geehrt als Michael Maschka mit der Bitte an mich herantrat, ein paar Worte über seine Kunst zu verlieren. Er wusste, dass ich seine Bilder liebe. Daher war seine Bitte naheliegend. Er wusste aber auch, dass ich nicht professionell über Kunst schreibe, und dies auch nicht versuchen werde. Daher war seine Bitte ebenso riskant.

Mein Text wird keine lehrtheoretischen, keine kunsthistorischen oder kunstkritischen und auch keine philosophischen Aspekte zum Themenkreis Kunst beleuchten. Wer danach hungert, möge sich an einem gut sortierten Zeitungskiosk, im Internet oder in Buchhandlungen und Bibliotheken seiner Wahl nach Herzenslust mit zuhauf dazu bereits verfassten Artikeln und Büchern eindecken. Ich werde nichts dergleichen liefern. Ich werde mich hier dem Thema anders nähern. Auch wenn man meinen Text, und mich, dafür öffentlich zerreißen mag, werde ich darüber schreiben, was der Begriff „Kunst“ für mich – ganz persönlich – bedeutet, und was mich – wiederum ganz persönlich – an den Werken Michaels Maschkas fasziniert.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne, fernab des institutionalisierten Kunst-Betriebes – dessen Maß der Dinge sowohl das Schubladendenken in Stilrichtungen, Gattungen, akademischen Graden, usw. als auch die Quantifizierung von Künstlern und ihren Werken in Klicks, Facebook-Freundschaften, Likes, Tweets und Re-Tweets, Namensnennungen in Publikationen, Auflagen, Verkaufszahlen und -preisen, Auktionsergebnissen und dergleichen mehr zu sein scheint – eine Reihe „ganz normaler“ Menschen, die Kunstwerke, in Ermangelung ausdrucksstärkerer Synonyme, „nur“ mit schön, ästhetisch ansprechend, geheimnisvoll, genial und ähnlich „einfach gestrickten“ Adjektiven beschreiben. Und doch geht es gerade auch dort, wo Worte versagen und Vokabeln fehlen, um ein tiefinneres Gefühl, das uns allen gemein ist, wenn wir mit wahren Kunstwerken in Berührung kommen: Das Gefühl, welches von der unfassbaren, diesen Werken innewohnenden Kraft ausgeht, die uns den Alltagstrott eine Zeitlang vergessen zu lassen vermag und uns in uns selbst verharrend innehalten lässt. Manchmal sind es nur diese kleinen Momente, wie z.B. ein „Wow!“-Effekt, der uns zu einem anerkennenden Kopfnicken verleitet, welches wir nicht selten, zur Unterstreichung der Dimension unseres Erstaunens, zusätzlich gern auch mit der Artikulation eines Geräusches begleiten. Oder das tiefe Durchatmen, das der Stille eines spontanen Seufzers vorauseilt. Oder die plötzliche emotionale Aufwallung von Glück und Dankbarkeit, die ein von weit innen heranstrahlendes, verträumtes Lächeln auf die Lippen zaubert oder manch anderen auch zu freudigen Tränen rührt. Die Wirkung dieser Kraft äußert sich nicht immer in gleicher Weise und Intensität, aber kaum jemand wird verleugnen wollen, dass er nicht selbst schon ähnliches im Angesicht echter Kunstwerke erlebt hat. Wenn ich persönlich an Kunst denke, dann sind es genau solche Werke, die mich im Innersten berühren, die mich begeistern, die lang in mir nachklingen, die mich inspirieren, die mein Leben in einer Art und Weise bereichern, dass ich sie am liebsten immer und immer wieder mit den Augen streicheln möchte, da eine Umarmung derselbigen in der Regel verständlicherweise nicht möglich ist. Kunstwerke dieser Art überdauern jede Mode, da sie eine eigene, inhärente Unsterblichkeit besitzen. Sie tragen etwas Ewiggültiges, einen göttlichen Funken, in sich.

Kunst sind für mich nicht jene Dinge, die man mir als Kunst zu verkaufen versucht, weil der Künstler z.B. gerade hipp oder Hype ist, oder weil jemand seine Werke zu Renditeobjekten mit einträglichem Wertsteigerungspotential hochstilisiert. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es liegt mir fern, die kommerzialisierte, entzauberte Welt anzuprangern, in welcher Kunst-Fabrik und Kunst-Zirkus, sich gegenseitig in die Hand spielend, so manche Familie ernähren. Diese künstliche Welt darf, von mir ganz und gar ungestört, weiter wachsen und wuchern. Ich möchte nur klarstellen, dass mein Kunstbegriff einer anderen, mir eigenen Logik folgt. Ich frage mich – ohne mich dabei als Prophet zu sehen – ob dieses Kunstwerk, das mich hier und heute so berührt und begeistert, auch Menschen kommender Generationen in gleicher Weise zu berühren und begeistern vermag. Es gibt unzählige Kunstwerke, die solches aus dem Stand heraus geschafft haben. Werke, die sich im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert haben. Authentische Werke genuiner Kunst, die vor hunderten von Jahren von Ausnahmekünstlern geschaffen wurden, deren große Namen, ich nicht zu benennen brauche, da Sie sie kennen.

Für mich ist Michael Maschka solch ein Ausnahmekünstler, ein regelrechter Meistermaler, weil seine Werke meinen persönlichen Kunstbegriff, den ich eingangs darzulegen versucht habe, schon heute in jeder Hinsicht befriedigen. Seine Kompositionen, die mit nuancierter Farbigkeit und einem ganz eigenem, inneren Glanz bestechen, sind nicht nur handwerklich meisterhaft ausgeführt. Nein, sie greifen insbesondere Themen auf, die Michaels unaufhörliche Suche nach den in unserem Unterbewusstsein schlummernden Urbildern widerspiegeln, was sie für mich quasi magisch macht. Sie geben mir als Betrachter, nicht zuletzt durch mythologische und alchemistische Anklänge, subtile Rätsel auf, die Bewusstseinsebenen ansprechen, deren leise Stimme, die sich gegen eine immer lauter werdende äußere Welt stemmen muss, mich zu neuen Interpretationen meines Selbst reizen. Man erahnt förmlich, dass die symbolhaften, archetypischen Mitteilungen, die in seinen Bildern dezent hindurchschimmern, dem mit Worten nicht vermittelbaren Vokabular des Unbewussten entspringen, das Michael Maschka wie eine zweite Muttersprache, in Form und Farbe gefasst, mit dem Pinsel lyrisch zu artikulieren vermag. Deshalb verfängt sich mein Blick wieder und wieder in den einzelnen Bildelementen, die ihre feinsinnigen Botschaften gekonnt visuell vernehmbar machen. Hineinträumen möchte ich mich in diese Bilder, mit den Augen darin auf Spazierfahrt gehen, um sie in in all ihren Dimensionen – ihrer Tiefe, ihrer Größe, ihrer Weite und Zeitlosigkeit – zu erfassen, weil sie mir Unsichtbares sichtbar zu machen versuchen, indem sie, um Michael selbst zu zitieren, „die inneren und äußeren Bilder in Übereinstimmung bringen.“

Michael Maschka versteht es zudem, sich den seiner reichen Phantasie entsprungenen Geschöpfen, mit denen er seine Bilder bevölkert, in einer Art und Weise zu nähern, die ihrer ureigensten Würde Respekt und Achtung entgegenbringt. Man hat fast schon das Gefühl, dass er die Figuren, die er geschaffen hat, nur sanft umschmeicheln will, um ihnen ja nicht mit einem Zuviel an Farbe und Kontur zu nahe zu treten. Und wo er in seinen Werken Nacktheit darstellt, wirkt diese – trotz und wegen der sinnlichen Schönheit der weiblichen Hauptdarstellerinnen – so natürlich und anmutig wie eine edle, elegante Kleidung, die jeder noch so exquisiten Kreation einer Haute Couture den Rang ablaufen würde. Mir gefällt speziell auch das Spiel Michaels, in seinen Bildern detailreiche, manchmal nahezu fotorealistische Darstellungen, in einen mystisch-phantastischen Kontext zu setzen, womit er manch einen Betrachter verwirrt, der anfangs kaum glauben mag, dass das, was er vor sich sieht, mit feinsten Pinseln an der Staffelei des Malers entstanden ist. Michael hat gerade auch durch diese, ihm ganz eigene Art darin brilliert, längst überholt geglaubte, tief in Mythen verwurzelte Themen, in altmeisterlicher Manier und unzeitgemäßer Akribie, geschickt in unsere Neuzeit zu verpflanzen und unbestritten gezeigt, dass sie in keinster Weise auch nur einen Gran ihrer einstigen Aktualität verloren haben. Allein das ist für mich ein gar nicht hoch genug zu würdigendes Alleinstellungsmerkmal, das die Einzigartigkeit seiner Kunst auszeichnet.

Den Inhalten seiner Bilder will ich mich nicht mit einem intellektuellen Instrumentarium des rationalen Verstehen-Wollens und zwanghaften Erklären-Müssens nähern, auf welches sich unsere entzauberte Gesellschaft, in einem ihrer vielleicht größten Kardinalfehler, hat drillen lassen. Michaels Maschkas Bilder sind mir einfach zu „schön“ und zu schade, als dass ich ihnen ein Leid antun möchte, indem ich sie, wie bei einer Vivisektion, in ihre Bestandteile zerlege, nur um sie anschließend mit spröden Formulierungen, glanz- und seelenlosen Sätzen überziehen zu können. Ich denke, dass Michaels Werke in hervorragender Weise für sich selbst sprechen, denn sie entsprechen ziemlich genau jenem Bekenntnis zur Schönheit, dem Ideal, dem Michael Maschka sich in seinem Roman Der Meisterträumer immer wieder mit Worten zu nähern versucht. Seine Bilder sind eine glaubhaft vermittelte Vision des Schönen und Erhabenen, die in märchenhaft anmutender Darstellung, Sinn und Sinnlichkeit in einer geschliffenen Malweise atmosphärisch vereint. Für mich sind die genuinen Kunstwerke Michaels Maschkas wie ein flüchtiger Traum, dessen Zauber er sanft einzufangen verstanden hat, ohne diesen dabei zu verletzen. Daher sollte man sich ihnen auch vom Herzen her nähern, nicht mit Verstandeskälte. Ich persönlich sehe in ihnen einen farblich vertonten Vers, die Strophe eines von ihm meisterhaft auf Leinwand gehauchten Gedichts. Um das wahre Wesen der Bilder Michael Maschkas tatsächlich beschreiben zu können, müsste ich erst eine Sprache erfinden, deren Worte man in Farbe singen kann.

 


© M. Muth
Last Update: 01.01.2017